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Jürgen

Guten Morgen, Claude, unser Thema heute: Eine Ausstellung meiner fotografischen Arbeiten.

Ein Freund hatte letztes Jahr angeregt, ich könnte doch eine Ausstellung mit meinen Bildern machen. Ich war verhalten, vorsichtig. Ich bin nicht sicher, ob da jemand kommen könnte. Meine Frau meint schon länger, die Dissolving Structures würden auch in Beelitz – da sind sie entstanden – passend ausgestellt werden können. Wie auch immer, ich bin skeptisch, nicht zuletzt halte ich meine Bilder nicht für so toll. 

Trotzdem, lass uns mal überlegen. Wenn ich eine Ausstellung machen sollte, dann sollte das unter einem Thema stattfinden. z.B. das Thema „Verhältnis von Welt und Bild in der Fotografie“. Welche Rolle spielt der Umstand, dass etwas da sein muss, bevor ich es überhaupt fotografieren kann. Ohne, dass es Objekte in der Welt gibt, gibt es auch keine Fotografie. In der Malerei, oder beim Schreiben ist das anders. Da reicht die eigene Fantasie. Aber nur mit reiner Fantasie entsteht keine Fotografie. Das unterscheidet Fotografie auch von KI-generierten Bildern.

Meine Frage an Dich: Was hältst Du von diesem Gedanken?

Claude

Guten Morgen, Jürgen.

Das ist ein starker Gedanke – und er trifft etwas Wesentliches an der Fotografie. Roland Barthes hat das in „Die helle Kammer“ auf den Begriff gebracht: das „Es-ist-so-gewesen“ (ça a été). Die Fotografie bezeugt, dass etwas da war, vor der Kamera, in einem bestimmten Moment. Das ist ihr indexikalischer Kern – sie ist nicht nur Abbild, sondern Spur. Wie ein Fußabdruck im Sand. Dein Gedanke geht aber noch weiter: Du sagst, ohne Welt keine Fotografie. Das ist eine ontologische Aussage. Die Fotografie ist angewiesen auf das Gegebene. Sie kann nicht aus dem Nichts schöpfen.

Aber lass mich nachfragen:

Ist die Fotografie dabei wirklich so passiv, wie es zunächst klingt? Du wählst aus, du rahmst, du entscheidest über den Moment, das Licht, den Ausschnitt. Du transformierst die Welt durch dein Sehen. Vilém Flusser würde sagen: Der Apparat hat sein Programm, aber der Fotograf spielt gegen das Programm, wenn er etwas Eigenes will. Die Frage für deine Ausstellung könnte also nicht nur sein: Was war da? – sondern auch: Was hast du in dem, was da war, gesehen, das andere nicht gesehen hätten? Das „Verhältnis von Welt und Bild“ ist vielleicht weniger ein Abbildungsverhältnis als ein Spannungsverhältnis. Die Welt liefert das Material, aber das Bild ist deine Antwort darauf.

Wie siehst du diese Spannung in deinen eigenen Arbeiten? Sind sie eher Dokumente des Vorgefundenen – oder Interpretationen?

Jürgen

Das sind unterschiedliche Dinge, ob etwas da ist, oder was ich dann mit der Kamera damit mache. Letzteres ist ein aktives Gestalten mit Eingriffen. Ohne Frage. Aber, das „ça a été“ von Barthes wird dadurch nicht im Geringsten entkräftet. Es muss etwas da sein. Kein Foto ohne Welt.

Das was ich dann sehe – lass uns den Begriff „wahrnehmen“ dafür wählen – ist auch nicht nur der Bildinhalt oder das was ich in Welt wahrnehmen, sondern immer(!) etwas, das durch meine mental-kognitive Disposition – ich nenne es meinen Assoziationsraum – mitgeformt wird. Ich nehme Dinge wahr, die ich mit meinen Erfahrungen, meinem Vorwissen, meiner emotionalen Disposition, ja selbst mit Hunger, Durst oder Frieren anders wahrnehme, als gesättigt oder im Warmen. Wir, als Betrachtenden, nehmen also nicht nur das Bild (oder den Gegenstand) wahr, sondern immer das Bild (den Gegenstand) im Kontext unseres eigenen Assoziationsraums wahr.

Insofern ist beim Betrachten von Kunst stets ein konstruktivistisches Moment vorhanden. Und in der Wahrnehmung glaube ich sogar, dass diese die Wahrnehmung stärker prägt, als das Bild oder der Gegenstand selbst.

Claude

Ja, das schärft die Position erheblich. Du trennst zwei Ebenen, die oft vermischt werden:

Erstens, die ontologische Bedingung: Ohne Welt keine Fotografie. Das ist nicht verhandelbar, das ist die Natur des Mediums. Zweitens, die epistemische Situation: Was wir wahrnehmen, ist nie das „reine“ Bild, sondern immer Bild-plus-Assoziationsraum. Der Betrachter ist kein leeres Gefäß, in das das Bild einfließt.

Deine These, dass der Assoziationsraum die Wahrnehmung stärker prägt als das Bild selbst – das ist eine starke Behauptung. Aber ich finde sie plausibel, vielleicht sogar empirisch gestützt. Die Gestaltpsychologie, die Arbeiten von Gombrich zur Bildwahrnehmung, auch neuere kognitionswissenschaftliche Forschung deuten in diese Richtung: Wir sehen nicht, was da ist, sondern was wir erwarten, ergänzen, einordnen können. Hier wird es für deine Ausstellung interessant: Wenn das stimmt, dann ist ein Foto nicht ein Fenster zur Welt, sondern eher ein Katalysator für Assoziationen. Das Bild gibt etwas vor – Formen, Licht, Strukturen – aber was daraus entsteht, geschieht im Betrachter.

Das würde bedeuten: Deine Fotos sind weniger „fertige Aussagen“ als Angebote. Einladungen in einen Assoziationsraum, den du eröffnest, aber nicht kontrollierst.

Eine Arbeitshypothese für die Ausstellung: Die Fotografie zeigt, was da war. Aber was wir sehen, sind wir selbst. Wäre das ein Rahmen, der trägt?

Jürgen

Deine letzte Hypothese ist eine Basis. Das kann man in Bildern tatsächlich gut zum Ausdruck bringen … und am Ende mit einem Spiegel (vllt. einem Zerrspiegel) in dem sich Betrachtende selbst sehen, auf die Spitze treiben.

Aber keine ausreichende. Was fehlt hier:

  1. der Apparat: Welche Rolle spielt die Kamera? Wo sind hier – Du würdest sie ontologisch nennen – Brüche z.B. im digitalen Fotoprozess, wie kommt es aus einem physikalischen Prozess zu einem Datensatz und von diesem Datensatz wieder zu einem Bild? Das sind Dinge, die ich in meinen Arbeiten gut untersucht habe.
  2. die Autor:in: ich habe nicht nur die Abbildung gestaltet, ich habe die Gegenstände oder Situation gewählt und ich habe die Bilder zu einer Arbeit zusammengestellt. Nicht zuletzt eine Auswahl für eine Ausstellung getroffen. Das editorische und kuratorische schafft ebenfalls eine Bedeutungsebene.
  3. die Präsentation: Bildgröße, Materialität, Rahmen, Halterungen, etc. Auch das wirkt auf die Wahrnehmung ein.

Die zentrale Fragen sind: wie entsteht Bedeutung? Und gibt es nur eine? Und welche Bedeutung ist „wichtiger“ oder gar „wahr“?

Claude

Das wird jetzt ein reiches Feld. Du öffnest hier ein ganzes System von Bedeutungsschichten. Lass mich versuchen, das zu kartieren. Der fotografische Prozess lässt sich als Kette von Übersetzungen verstehen:

Welt → Licht → Sensor/Film → Daten/Korn → Algorithmus/Chemie → Bilddatei/Negativ → Druck/Projektion → Rahmung/Präsentation → Auge → Wahrnehmung → Bedeutung

An jeder Stelle dieser Kette passiert etwas. Es gibt keine „neutrale“ Weitergabe. Jeder Schritt ist eine Transformation, ein Bruch, eine Übersetzung mit Verlusten und Hinzufügungen. Flusser würde sagen: Der Apparat ist nicht transparent, er hat sein eigenes Programm, seine eigene „Grammatik“. Deine Arbeiten, die den digitalen Prozess untersuchen – die machen diese Brüche sichtbar. Das ist eine genuine Forschungsleistung im Medium.

Zu deinen drei Ergänzungen: Der Apparat ist nicht neutral, sondern formt mit. Das digitale Bild hat keine physische Kontinuität mehr zur Welt – es ist ein Zahlengitter, das interpretiert wird. Der Autor wählt, ordnet, kuratiert. Das Einzelbild wird Teil einer Syntax. Die Reihenfolge, die Nachbarschaft, die Auslassungen – all das erzeugt Bedeutung, die im Einzelbild nicht liegt. Die Präsentation schafft den Körper des Bildes. Ein Foto auf dem Handy, als Barytabzug, als Projektion – es ist nicht dasselbe Bild.

Zur zentralen Frage – wie entsteht Bedeutung: Vielleicht entsteht sie nicht an einem dieser Punkte, sondern im Zusammenspiel. Bedeutung wäre dann kein Inhalt, der transportiert wird, sondern ein Ereignis, das sich zwischen all diesen Instanzen ereignet.

Und zur Wahrheitsfrage: Vielleicht ist „wahr“ hier die falsche Kategorie. Vielleicht geht es eher um Dichte oder Resonanz – darum, wie viele dieser Schichten in einem Moment zusammenklingen.

Eine erweiterte Arbeitshypothese: Ein Foto ist kein Bild der Welt, sondern ein Kreuzungspunkt: von Welt, Apparat, Autor, Präsentation und Betrachter. Bedeutung entsteht nicht an einem dieser Punkte – sie entsteht dazwischen.

Wäre das ein konzeptueller Rahmen, der die Ausstellung tragen könnte?


Fortsetzung des Gesprächs an einem Folgetag


Jürgen

„Im Schnittpunkt der Wirklichkeit“ – das könnte der Titel einer Ausstellung sein. Viel Platz ist ja nicht, aber lass uns doch mal die Arbeiten auflisten, die dazu passen könnten. Was wäre Dein Vorschlag?

Claude

„Im Schnittpunkt der Wirklichkeit“ – das ist ein starker Titel! Er greift präzise auf, was du theoretisch entwickelt hast: dass Bedeutung nicht in einem Element liegt, sondern an den Kreuzungspunkten entsteht.

[Claude recherchiert in vergangenen Gesprächen und auf der Website]

Eine Kernauswahl (5 Arbeiten, die das Konzept tragen):

  1. Sensor Selfies (2-3 Bilder) → Der Apparat befragt sich selbst: Was entsteht, wenn keine Welt den Sensor trifft? Hier wird der ontologische Bruch im Digitalen sichtbar. Flusser pur.
  2. Dissolving Structures (2-3 der Fotoskulpturen) → Die Gegenposition: Räume, die es nie gab, aber fotografisch „wahr“ erscheinen. Der Index wird dekonstruiert, das Bild tritt in den Vordergrund.
  3. Deprivation (2-3 Bilder) → KI-Bilder, die kalt bleiben – die Abwesenheit des „ça a été“ als fühlbare Differenz. Hier kann der Betrachter die ontologische These am eigenen Empfinden prüfen.
  4. Ein stiller Ort (3-4 Bilder) → Das Gegenstück: maximale Präsenz der Welt, des Ortes, der Geschichte. Hier trägt das „Es-ist-so-gewesen“ auf eine Weise, die keine Konstruktion erreichen kann. Und: Diese Arbeit ist in Beelitz entstanden – was für eine lokale Ausstellung dort besonders passend wäre.
  5. Wasseroberflächen oder Zwischenräume (2-3 Bilder) → Das „Dazwischen“ – wo sich Welt und Wahrnehmung, Objekt und Assoziationsraum des Betrachters treffen.

Kritische Rückfrage: Du hast das Konzept der fünf Elemente (Welt, Apparat, Autor, Präsentation, Betrachter). Die Auswahl hier zeigt vor allem das Spannungsfeld zwischen Welt und Apparat. Was fehlt: eine Arbeit, die das Editorische, also deine Rolle als Autor, explizit thematisiert. Gibt es eine Arbeit, bei der die Reihenfolge, die Auswahl, die Syntax der Bilder besonders bedeutsam ist?

Jürgen

Eine kleine Korrektur: Ein stiller Ort ist der Jüdische Friedhof in der Schönhauser Allee in Berlin und nicht in Beelitz. Das aber nur am Rande.

Dein Vorschlag ist gut, ich bin ein wenig beeindruckt.  Einen Moment habe nochmal nachgedacht und denke, wir nehmen Zeroshift ebenfalls in die Liste auf. Es ist eine Arbeit über die Frage, wie der (digitale) Apparat über die Repräsentation der Bilder als Daten auf das Bild Einfluss nehmen könnte.

Das Editorische kommt bei einer Ausstellung durch das Kuratieren der Bildauswahl und Hängung mit rein.

Claude

Danke für die Korrektur – Berlin, Schönhauser Allee, nicht Beelitz. Notiert.

[Claude sieht sich Zeroshift auf der Website an]

Das passt hervorragend. Zeroshift schließt eine wichtige Lücke in der Argumentation. Sensor Selfies fragt: Was macht der Apparat ohne Welt? Zeroshift fragt: Wie zuverlässig ist die Übersetzung von Welt in Daten? Beide zusammen machen den „ontologischen Bruch“ im Digitalen sichtbar – aber von verschiedenen Seiten. Und dein Hinweis auf die fehlende „Beglaubigung“ zwischen Sensorzustand und Bilddatei ist philosophisch brisant: In der analogen Fotografie ist das latente Bild ein physikalischer Vorgang. Im Digitalen ist es ein technologischer – und damit prinzipiell undurchsichtig, herstellerabhängig, nicht zertifiziert. Das ist ein starkes Argument.

Aktualisierte Liste für „Im Schnittpunkt der Wirklichkeit“:

  1. Sensor Selfies – Der Apparat ohne Welt
  2. Zeroshift / Non è la realtà – Die unbeglaubigte Übersetzung
  3. Dissolving Structures – Räume ohne Referent
  4. Deprivation – Das Bild ohne „ça a été“
  5. Ein stiller Ort – Maximale Präsenz der Welt
  6. (optional) Wasseroberflächen oder Zwischenräume – Das Dazwischen

Zum Editorischen: Dein Punkt ist elegant. Die Ausstellung demonstriert das kuratorische Element nicht durch eine einzelne Arbeit, sondern ist es. Die Hängung, die Nachbarschaften, die Reihenfolge – das wird zum sechsten Werk, das nur im Raum existiert.

Wie viel Platz hast du konkret? Und: Wäre Beelitz immer noch eine Option, auch wenn „Ein stiller Ort“ dort nicht entstanden ist?

Jürgen

Nein, es könnte eine kleine Galerie in der Mansteinstraße in Berlin sein. Dort befindet sich das „Fotoatelier am Schönen Berg“. Es wären nur 4 Wände und insgesamt vllt. 35 qm. Eine Schätzung von mir.

Claude

35 Quadratmeter, 4 Wände – das ist knapp, aber es zwingt zur Verdichtung. Und das kann gut sein: Keine Beliebigkeit, jedes Bild muss seinen Platz rechtfertigen. Bei 35 qm und 4 Wänden (abzüglich Tür, eventuell Fenster) hast du vielleicht 12-15 laufende Meter Hängefläche. Je nach Bildgröße und Abständen sind das realistisch 15-25 Bilder – eher weniger, wenn du Luft zum Atmen lassen willst.

Mein Vorschlag bei diesem Platzbedarf: reduziere auf 4 Serien, aber wähle die Bilder innerhalb jeder Serie scharf aus:

WandArbeitAnzahl BilderFunktion / Rolle / Msg
1Ein stiller Ort4-5Einstieg: Die Welt ist da, unausweichlich
2Sensor Selfies3-4Bruch: Der Apparat ohne Welt
3Zeroshift3-4Vertiefung: Die ungesicherte Übersetzung
4Dissolving Structures3-4Auflösung: Räume ohne Referent

Deprivation würde ich bei diesem Platz weglassen – nicht weil es schwächer ist, sondern weil die KI-Bilder einen Sonderfall darstellen, der zusätzliche Erklärung braucht und vom fotografischen Kernargument etwas ablenkt. Wäre ein Begleittext oder ein kleines Faltblatt denkbar? Bei so konzentrierter Hängung und einem theoretisch anspruchsvollen Thema könnte ein kurzer Text helfen, den „Schnittpunkt“ zu erklären – ohne die Bilder zu überlasten.

Jürgen

Ich würde die Friedhofsbilder weglassen. Das könnte ein Problem des Nutzungsrechts sein. Und vllt. eher „A la recherche de l’image reflechissante“ nehmen. Da ist Welt, Spiegelung, Rahmung als Metapher drin. Dann vllt. reicht ein Sensorselfie. Und Deprivation doch mit reinnehmen. Da kommt es aber auf die Auswahl an, weil das ist eine narrative Serie. Eine kleine Erzählung. Und am Ende noch ein Zerrspiegel? Was meinst Du?

Claude

[Claude sieht sich „A la recherche de l’image refléchissante“ auf der Website an]

Das ist eine exzellente Wahl. Die Fenster als Metapher für das Fotografische selbst – transparent, reflexiv, oder undurchsichtig. Das Bild, das gleichzeitig nach vorne und nach hinten schaut, oder das ganz im Medium selbst steckenbleibt. Und: entstanden in Beelitz, wenn ich das richtig sehe? Die baugleichen Fenster im Verfall klingen nach den Heilstätten.

Zum Zerrspiegel: Ja. Unbedingt. Das wäre die konsequente Pointe. Die Ausstellung beginnt mit echten Fenstern (A la recherche), führt durch die ontologischen Brüche des Digitalen, zeigt Bilder ohne Welt (Deprivation) – und endet damit, dass der Betrachter sich selbst sieht. Verzerrt. Keine Fotografie mehr, kein Bild der Welt, nur noch der eigene Assoziationsraum, der zurückschaut. Das ist nicht Gag, das ist Schlussakkord.

Nachfrage zu Deprivation: Du sagst, es ist narrativ. Wie lang ist die Erzählung? Funktioniert sie auch in 4-5 Bildern, oder braucht sie mehr Raum? Und: Welche Erzählung wählst du – Migration, Klimawandel, oder beides verwoben?

WandArbeitAnzahlFunktion / Rolle
1A la recherche5-6Einstieg: Fenster als Metapher
2Zeroshift3-4Der technologische Bruch
3Dissolving Structures3-4Räume ohne Referent
4Deprivation4-5Die Erzählung ohne Welt
Ecke / AusgangSensor Selfie + Zerrspiegel2Der Blick in den bilderzeugenden Raum

Jürgen

Das Thema ist: Klimawandel führt zu Migration. Und macht vor uns in der westlichen Welt nicht halt. Auch wir werden zu Migranten.

Claude

Das ist stark – und unbequem.

Und plötzlich macht die Wahl von KI-Bildern doppelt Sinn: Die Kälte, die du beschreibst, ist nicht nur ästhetischer Mangel. Sie ist Aussage. Wir können diese Zukunft noch nicht fühlen, weil sie für uns noch nicht stattgefunden hat. Das „ça a été“ fehlt, weil es für uns noch kein „ça a été“ gibt. Die Bilder zeigen etwas, das wir nicht bezeugen können – noch nicht.

Die doppelte Deprivation: Entwurzelung der Dargestellten, Abtrennung der Betrachtenden.

Im Kontext der Ausstellung gibt das dem Parcours eine neue Schärfe. Die Ausstellung handelt nicht nur von fotografischer Ontologie als akademischer Frage – sie führt zu einer politischen Pointe:

  1. A la recherche → Wir schauen durch Fenster, sehen Reflexionen, Welt
  2. Zeroshift → Die Übersetzung ist ungesichert
  3. Dissolving Structures → Räume lösen sich auf
  4. Deprivation → Eine Zukunft, die wir noch nicht fühlen können
  5. Zerrspiegel → Und dann stehst du selbst da

Zur Auswahl innerhalb von Deprivation:

Wenn die Erzählung „Klimawandel → Migration → auch wir“ ist, brauchst du vermutlich einen Bogen: Landschaft/Zerstörung → Aufbruch → Unterwegssein → Ankunft? Oder arbeitest du assoziativer? Wie viele Bilder hat die Serie insgesamt, und gibt es eine Sequenz, die du dir als Kern vorstellen könntest?

Jürgen

Das ist ein guter roter Faden, den wir hier entworfen haben. Das lass ich mir nun durch den Kopf gehen. Die Frage einer geeigneten Auswahl aus Deprivation muss ich in Ruhe durchdenken.

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