Der Schaum der Zeit ist eine Arbeit über die Autonomie von Zeit. Die Beschäftigung damit begleitet mich seit mehreren Jahren. Die Bildwelt der Arbeit kreist um dynamische Prozesse, die in der Zeit verlaufen. Abgebildet sind dabei Formen und Räume, diese aus solchen Prozessen entstehen. 

Dynamische Prozesse laufen in der Natur auf unterschiedlichen Zeitskalen ab. Wolken bilden ein kontinuierliches Entstehen und Vergehen im Takt unseres Atmens. Wellen auf Wasseroberflächen laufen über weite Strecken stabil, bis sie an eine Grenze stoßen, brandend auslaufen und dabei sekundenschnell in hunderte Tropfen zerfallen. Felsen entstehen durch geo- und vulkanologische Prozesse und werden über Jahrtausende hinweg durch Witterung und Wasser wieder abgetragen. Der Urknall umfasst nur Bruchteile von Sekunden bis zur Ausbildung von grundlegenden Strukturen, während das Universum über Milliarden Jahre aus dieser Anlage unterschiedlichste Gestalten werden lässt.

Die Formen und Räume, die durch die Dynamik entstehen, sind Gestalten der Zeit. Wie Blasen in einem Schaum wachsen sie an, schillern über ihre Lebensspanne und zerplatzen wieder – nur um anderen Gestalten den freigewordenen Raum zu überlassen. Und während dieser Lebenszeit bilden sie eine Vielfalt an figurativen und abstrakten Strukturen aus. Wir projizieren Wünsche, Ängste und insgeheim wirkende Kräfte in sie hinein. Wir assoziieren sie mit Gestalten unseres Erlebens, vermeinen Landschaften zu entdecken und wir erkennen kosmische Prozesse in ihnen wieder. 

Dem Schaum der Zeit stehen wir staunend gegenüber und können ihn doch nicht greifen. Er entzieht sich uns. Er ist das Bild einer Natur, in der wir – jenseits unserer Gestaltungs- und Kontrollsphäre – unser eigenes Werden und Vergehen widergespiegelt finden. 

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