Die Lust auf’s Schreiben

Neulich kam die Frau meines Herzens an meine Seite, ich saß gerade am Klavier und dilettierte so vor mich hin. Schumanns a-moll-Konzert – einer meiner Lebensbegleiter. Sie meinte dann, man würde schon auch merken, dass sich mein Spiel in den vergangenen Monaten verbessert habe. Machte mich ein wenig stolz, auch weil ich im kritisch geprägten Blick auf mich selbst selten gut genug dastehe. Mit Klavierspielen, mit Fotografieren und auch mit dem Schreiben. 

Vor allem das Schreiben ist etwas, bei dem diese Diskrepanz zwischen Wunsch und Fertigkeit kaum größer sein könnte. Ich mag das: das vor sich Hinflottierende, das Mäandernde, das vermeintlich Ziellose, das aber im Laufe des Flusses dann doch eine Richtung nimmt und am Ende an einem erkenn- und beschreibbaren Punkt ankommt. Und schreibe dann – und lese dann –  und denke dann doch: oh Gott…

Interessant dabei ist, dass der Kritikpunkt, der mir auffällt, dem recht ähnlich ist, den ich bei meiner Fotografie auch empfinde: mein Vokabular ist zu eng. Ich meine damit weniger den numerischen Umfang meines aktiven Wortschatzes, ich meine damit die Sprachbilder, die ihren Weg in die Feder finden um dann auf der weißen Seite zur dort herrschenden Leere kontrastbildend Konturen entstehen zu lassen. Und ähnlich, wie in der Fotografie finden sich im verbalen Ausdruck Wiederholungen, Substantive, denen viel zu oft adjektivische Assistenz erläuternd beiseite gestellt werden, Gedankenstricheinschübe und geklammert kommentierende Blüten wieder, die weniger den Ausdruck des Gedankens tragen, als das Unvermögen pointiert und gleichermaßen poetisch genau diesen zu finden. 

Ich schreibe viel. Praktisch jeden Morgen, wenn ich so zwischen drei und vier Uhr aufstehe und in der entspannten Stille die Konzentration finde, die dafür wohl nötig ist. Aber nur wenig lass ich aus der Schreibstube heraus. Und meist ist es dann auch noch so, dass ich tagelang von Selbstzweifeln geplagt darüber nachdenke, sie wieder offline zu nehmen. Aber vielleicht ist‘s ja auch hier so, wie die Liebste es beim Klavierspiel mir widerspiegelte: die Übung lässt es besser werden. Ich hoffe es, ich wünsche es mir. Die Lust auf‘s Schreiben, jedenfalls, die lässt nicht nach.

This Post Has 4 Comments

  1. Derweil ich so: Wäh, schreibt der Jürgen immer so gut und viel und lesenswert und schön und bildschaffend.

    „Wäh“ weil ich ja immer so: Ej Alder, chill aber mal über die Feiertage, gel!

    😉

    1. Das ist sehr nett.
      Oftmals, glaub‘ ich, hat’s auch mit Ungeduld und Hektik zu tun. Es muss fertig werden, es muss raus. Und dann stell ich im Nachhinein fest, wie unfertig es dann doch war.
      Poesie ist ja die Kunst minimal, bildhaft und gleichzeitig präzise zu sein. Und ich finde Du bist das so durchaus. 🙂

  2. Hi Jürgen,

    nicht das Ergebnis ist das Entscheidende, sondern das „Machen“! Und das immer so gut, wie man das zum gegebenen Zeitpunkt eben kann. Dabei entwickelt man sich weiter. Ist halt so beim kreativen Schaffen.

    Mach Dir keinen Druck, sondern genieße den kreativen Prozeß!

    Viele Grüße,
    Thomas

    1. Naja, ganz so das Ergebnis ignorieren ist‘s halt auch wieder nicht. Schließlich geht‘s auch (ich gebe zu nicht nur, aber eben auch) um einen Ausdruck. Und wenn der den eigenen Kriterien nicht genügt… das kann ich nur schwer ausblenden. Aber dennoch: hab‘ Dank.

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