Erste Notiz: Tohu vabohu

Erste Notiz: Tohu vabohu

… und die Erde war wüst und leer…

Der Beginn der Genesis. Der Anfang der Schöpfung. Ein Mythos, gleichzeitig ein Urbild, ein Archetyp.

Auf eine gewisse Art und Weise ist das ein Bild, das sich in Wolken widerspiegelt. Es ist ein Moment, der zwischen Chaos und sich abzeichnender Ordnung darstellt. Strukturen, die sich bilden aber keinen Bestand haben. Fetzen, die sich ineinander bewegen und dabei verschmelzen. Nur um gleich darauf wieder andere Strukturen hervorzubringen. Abwechselnd Ruhe in Form von Schönwetterwölkchen und unbezähmbaren Kräften, die als Tornados und Wirbelstürme ganze Landstriche verwüsten können. Und selbst in sich dieses Bild vom Werden aus dem Chaos in sich tragen.  

Die Menschen des Altertums wohl bis zur Renaissance sahen in den Wolken ein Zeichen dieser göttlichen Handlung. Noch für Leonardo da Vinci waren Wolken die Versammlung des Ungeschiedenen, ein Protozustand, der der Schöpfung vorausgeht und gleichzeitig ein alltägliches Phänomen, das uns als stetige Erinnerung diesen Umstand vor Augen führt.

 

Ein Bild der Ursuppe. Ob es auch heute noch als Metapher für das Quarck-Gluonen-Plasma der ersten Momente dieses Universums taugt? Mag sein, dass nicht. Aber bei aller Souveränität eines naturwissenschaftlich-fundierten Verständnisses bleibt der Respekt auch heute, wenn sich Wolken ballen. Wolken machen physisch eine Macht fühlbar, die zum Mythos der Schöpfung und zum Archetyp des Chaos passt.

 

This Post Has 4 Comments

  1. Vor allem, wenn man sich die volle Dynamik in einer Wolke vorzustellen versucht.

    Das ist jedesmal lustig im Physikunterricht.

    Lehrer: „Woraus besteht eine Wolke?“
    Schüler/in: „Wasserdampf.“
    L: „Sieht man nicht.“
    S: „Wassertröpfchen.“
    L: „Wieso fallen die nicht runter?“

    Allein die Frage: „Wieso ist feuchte Luft leichter als trockene?“ erzeugt verwunderte Gesichter. Wenn man sie dann fragt, wo der Duschabzug ist, oben oder unten, sieht man, wie eine Logik am Entstehen ist, auch wenn Unsicherheit noch stark verbreitet ist.

    Wolken sind total cool. Und interessant auch, dass das Chaos mal wieder im Rahmen bestimmter Regeln/Gesetze abläuft. So’n total chaotisches Chaos scheint ein bloß denkbarer Ausläufer unseres Weltverständnisses zu sein.

    1. Eine schöne Ergänzung. Tatsächlich ist eine naturwissenschaftliche Sichtweise eine, die viel erklären vermag. Die spirituelle aber auch nicht ganz zu verdrängen vermochte (bzw. wollte). Vielleicht auch, weil unser Gehirn Geschichten liebt. Ein wenig privilegiert, so muss man das ja leider auch sagen, wer über beides verfügt. Über die naturwissenschaftlich-beschreibende und die ästhetisch-staunende Sichtweise.

      Und in dem Sinne würde ich den Satz:
      „Und interessant auch, dass das Chaos mal wieder im Rahmen bestimmter Regeln/Gesetze abläuft.“ leicht abwandeln und nicht „abläuft“ sondern „sich beschreiben lässt“. Was dann halt auch andere Beschreibungen zulässt.

      Ich glaube ich komme auch noch zur Meteorologie. Und vielleicht auch zum Geoengineering… der Stapel Bücher, Artikel und die Anzahl der Lesezeichen nehmen gerade deutlich zu. Ich hätte tatsächlich nicht erwartet, dass es ein so universeller „Kulturgegenstand“ ist.

      Nochmal: Dankeschön, ich find’s klasse, wenn sich unterschiedliche Sichtweisen so treffen und zusammenfinden.

    1. Vielen Dank, samsmith1337!

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