Jonas Feige: Nacht auf der Sonne

Jonas Feige: Nacht auf der Sonne

 

Ich habe schon seit längerem keine Vorstellung eines Buches, einer Ausstellung oder eines Fotografen mehr geschrieben. Vor einigen Tagen hielt ich jedoch ein Buch in Händen, das mich ausgesprochen berührt hat und welches ich sehr gerne weiterempfehlen mag: es ist „Nacht auf der Sonne“ von Jonas Feige.

 

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(c) Jonas Feige.

 

Ich bin beim Schmökern der Beiträge des Blogs von Jörg Colberg auf diese Arbeit gestoßen. Darin führte er ein Interview mit Jonas Feige zu Fragen der Fotografie allgemein aber vor Allem über seine Arbeit „Nacht auf der Sonne“. Mich haben zunächst mal die Fotografien – aber dann auch seine Erläuterungen und Gedanken, die ihn zu dieser Arbeit bewegt haben, angesprochen.

 

„Nacht auf der Sonne“ ist eine Arbeit, welche die Widersprüchlichkeiten unseres Tuns und Seins zum Ausdruck bringen möchte. Für Jonas Feige selbst verweist die Absurdität des Titels auf unsere unerklärliche und möglicherweise bedeutungslose Existenz. In dem oben angeführten Interview beschreibt er ein Moment der Auseinandersetzung mit der Frage: „Wofür fotografiere ich überhaupt?“ Dass ich mich nicht gleich mit der möglichen Bedeutungslosigkeit unseres Daseins anfreunden kann mag daran liegen, dass ich mutmaßlich eine Generation älter als Jonas bin. In der Frage jedoch wofür ich fotografiere kann ich mich sehr wohl wiedererkennen. Sie fordert mich immer wieder aufs Neue heraus.

 

 

Vielleicht ist es gerade das, was ich in den Bildern spüre. Momente der Unsicherheit, des Zweifelns und des Zweifels, auch Momente des Innehaltens und der Selbstbeobachtung. Und ein Stück jener Kraft, die daraus entstehen kann, wenn man der Leere trotzen konnte.
Es sind insgesamt Bilder von Motiven und Szenen, wie wir sie alle kennen. Wie wir alle tagtäglich meist achtlos an ihnen vorbeieilen. Sie vielleicht noch aus dem Augenwinkel, zumindest jedoch mit unserem unbewussten Blick trotzdem registrieren.

Beim Blättern im Buch und beim Betrachten der Bilder entfalten sie aber genau diese spezifische Wirkung der Fotografie: sie bildet zwar etwas ab, was wir einer Wirklichkeit zuordnen (ob zurecht oder nicht, sei hier nicht betrachtet), sie entfaltet ihre Wirkung jedoch als Projektion auf der inneren Leinwand unserer Erinnerungen und Wünsche, unserer Gedanken und Gefühle. Sie locken die unbewussten Erinnerungen wieder hervor und mit ihnen die damit assoziierten Gefühle. Ein jedes dieser Bilder funktioniert wie eine Sonde. Eine Sonde, die uns als Betrachter uns selbst vorführt. Alleine diese Wirkung schafft schon Bedeutung. Bedeutung für die Bilder, aber auch Bedeutung für unsere eigene (Selbst-)Wahrnehmung.

 

Jonas Feige hat „Nacht auf der Sonne“ als Abschlussarbeit an der Ostkreuzschule für Fotografie, wo er bei Ute Mahler studiert hat, angefertigt. Daraus ist ein schöner Bildband mit 33 Fotografien auf 68 Seiten entstanden. Aufgelegt im Self-Publishing in einer Edition von 100 nummerierten Exemplaren. „Nacht auf der Sonne“ ist eine Arbeit, die sehr viel davon trägt, was für mich Fotografie überhaupt ausmacht: Ausdruck, Sensibilität, Wahrnehmung des Ich und der Welt. Ich kann sie nur weiterempfehlen.

 

Jonas Feige: Nacht auf der Sonne
24x31cm, 33 Fotografien auf 68 Seiten
1. Auflage 100 nummerierte Exemplare
2015, Self Published

 

Die oben abgebildete Fotografie ist Eigentum von Jonas Feige. Die Abbildung erfolgt mit der freundlichen Zustimmung des Fotografen.

Jürgen

Ich bin gelernter Physiker und arbeite als Projektmanager und Berater. Mit meiner Familie lebe ich in Berlin und genieße dort die lebendige Atmosphäre. Die Kamera ist mein Mittel um Ausdruck zu suchen und Balance zu finden.