Mal was Schönes…
SALOMEA - © Karl F. Degenhardt

Mal was Schönes…

… in diesen grauen Tagen. Und auch was ganz anderes.

Ein Gedicht von Ingeborg Bachmann, „Nach grauen Tagen“, das war der Auslöser für eine musikalische Entdeckung der besonderen Art. Of Cabbages and Kings ist schon eine ganze Weile auf meinem YT-Radar. Vier Sängerinnen aus Köln, die immer mal wieder sich zusammenfinden und gemeinsam A Cappella Eigen- und vielleicht auch anderer Menschen Kompositionen singen. Mag ich sehr so etwas. Und kürzlich haben sie besagtes Bachmann-Gedicht vertont. Das hat mich neugierig gemacht und ich fing an zu recherchieren. Wer ist das? Wer komponiert? Was machen die sonst so? Dabei bin ich auf Rebekka Salomea Ziegler gestoßen. Das erste, was mir auffiel, das war der zweite Vorname. Eine meiner Großtanten hieß Salomea, oder, wie man im Badischen sagt: Säm. Ihre Urenkelin trägt heute ihren Namen weiter. Es ist halt ein auffälliger, weil seltener und auch schöner Name. Das zweite, das mir auffiel ist die Herkunft. Baden. In Lahr groß geworden. Aha… vielleicht kommt ja der Name auch daher. Wer weiß… Nun sie ist Sängerin und Komponistin. Und neben dem A Capella Projekt ist sie auch Frontfrau der Gruppe SALOMEA. Und nun sind wir auch schon am Ziel meiner kleiner Wanderung. 

SALOMEA - © Karl F. Degenhard
SALOMEA – © Karl F. Degenhard

Mir ist das schon lange nicht mehr so gegangen, dass ich irgendwo reingehört habe und mich nicht mehr lösen konnte. Es ist wie ein Magnet. Diese Musik ist ist … sie ist so komplett anders. Jenseits von Kategorien, die mir gängig und geläufig sind. Oder sie ist halt permanent grenzgängerisch. Springt von Genre zu Genre. Diese Musik ist irgendwie nicht. Nicht tonal, nicht atonal. Nicht Jazz, nicht Rock, nicht Elektro, nicht Chanson. Und doch sie alles zugleich. Jazz und Rock und Elektro und Chanson und und und… Sie hält sich an keine metrischen Regeln, bricht die gewohnten Symmetrien aller melodischen Phrasen. Hält sich an keine Tonarten oder springt fortlaufend von einer zur anderen. Und dringt tief in den Bauch ein. Und das alles in einer Stimmigkeit, die verblüfft. Ich komme nicht *einmal* an den Punkt wo ich stutzen würde. Es passt alles.  

Das ist Musik, die hält das Hören im Fluss. Jedenfalls meines. Und es hält das Gehirn in Bewegung. Jedenfalls meines. Und vielleicht auch die Hüften. Obgleich nicht wirklich meine – aber das ist eine andere Geschichte ;-).

Contemporary Multi-Genre habe ich irgendwo darüber gelesen. Und vielleicht ist das tatsächlich so, dass hier eine Band ihr eigenes Genre schafft. Der Stücke: sicher in der Komposition, der Klang: sicher in der Interpretation und die Wirkung: sicher in der Rezeption. 

Mein Tipp: SALOMEA. Was für Herz und Hirn. Und vielleicht auch Hüfte. 


Fotografien von Karl F. Degenhardt mit der freundlichen Genehmigung von SALOMEA.

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