Murmeltiertage

Murmeltiertage

Nun sind sie wieder da.

Nicht nur, dass die kürzerwerdenden Tage auch ohne pandemische Rahmenbedingungen schon eine Belastung darstellen, das Virus macht die Räume wieder eng. Würde man wohl im Fußball so sagen. Ich verbringe meine Tage im zum Arbeitszimmer umfunktionierten Fotografie-/Bücher-/Musikzimmer. Jeden Tag eine Stunde draußen in der grauen Dämmerung spazierend, zwanghaft im Versuch die engen Räume zu erweitern, und doch auch da immer die gleiche Runde. Die Kamera immer dabei, aber es entsteht kein einziges Foto. Unter tags stets dieselbe Routine einhaltend. Arbeitsbeginn nach dem Frühstück, typischerweise um 6 Uhr, 30 Minuten Mittagspause, und Arbeitsende, wenn die Bindehautentzündung das Weiterarbeiten unterbindet. Pausen, a casa mia, sind keine Pausen. Keine Unterbrechungen. Keine Unterhaltungen. Keine Kontakte. Selbst der Plausch über Teams steht stets unter dem strengen Regime des Kalenders. Es wird nichts verplempert. 60 Stundenwochen sind keine Seltenheit. Es ist nicht mehr unterscheidbar, was zur Arbeit zählt oder eben nicht. In den Räumen bleibt der Kopf in der Funktion der Räume. Ein Fotoprojekt stockt – keine Ideen. Meine Bemühungen pianistische Virtuosität und Brillianz zu erlangen versacken. Da scheint Bill Murray mehr Erfolg gehabt zu haben. Die Fähigkeit über den Rand zu denken oder gar kreativ zu sein nimmt proportional mit den äußeren Reizen, die die sensorische Wahrnehmung kitzeln könnten, ab. Alles durch und durch in einer Einheitsgräue entgrenzt. Und jeder Tag wie der vorige, alle nachfolgenden wie der heutige. Es bleibt der Bildschirm. Das Display zur Welt, möchte ich wenigstens glauben. Von morgens, bei der digitalen F.A.Z., unter tags bei Arbeit und Videokonferenzen bis nachts beim E-Book. Tag für Tag. Woche für Woche…

I got you, Babe!

This Post Has 2 Comments

  1. Und wenn ich noch einen Zeitungsartikel lese, dass wir diese Jahreszeit und die Situation nutzen könnten, um beschaulich bei Kerzenschein hyggemäßig teetrinkend am Kaminfeuer Kreuzstich zu lernen, schreie ich.

    1. Das mit dem Kamin sollte ja klappen. Fehlt nur noch der Tee mit der Stickanleitung 😉

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