Pierre Boulez – 12 Notations für Klavier (1945)

Pierre Boulez – 12 Notations für Klavier (1945)

Die kurze Notiz zu Boulez und seinem Bezug zum Impressionismus von neulich will ich nochmal aufgreifen und ihm als Komponist das Wort übergeben. Die 12 Notationen sind im selben Jahr, wie Bartoks 3. Klavierkonzert entstanden. Während letzteres Bartoks letztes Werk war, ist das hier Boulez‘ erstes. Er hat die Notations später auch sehr stark überarbeitet. Sowohl inhaltlich, als auch in der Instrumentierung.  

Der Impressionismus ist in den 12 Notations nun nicht mehr in seiner Assoziativkraft erkennbar, wohl aber in der Feinheit des Satzes. Einer Eleganz, die – trotz aller Registerharmonik – bei Debussy, später auch bei Ravel und auch bei Messiaen gut durchhörbar war. Eine Art „französischer Stil“ in dem sich nun auch Boulez wiederfand. 

Das Verlassen von harmonischen Prinzipien führt aber notwendigerweise zu einer „Krise der Form“. Und diesen Gedanken will ich hier nochmal aufgreifen. Die Impressionisten haben die formbildenden Kräfte der Tonalität durch außermusikalische Assoziationen kompensiert. Boulez nimmt hier das Material selbst zur Organisation von Form. Er bezieht sich auf eine 12-Tonreihe. Die Abfolge dieser Töne bildet nun den Raum in denen 12 Miniaturen stattfinden. Warum Miniaturen? Auch das ein Effekt, der auf dieses Wegfallen zurückzuführen ist. Sonatenhauptsatzform, Variationsformen, Tanzformen, etc… sie alle basieren nicht nur auf Themen und motivischer Arbeit, sondern vor allem auf tonalen Zusammenhängen. Diese fallen aber insbesondere im Ansatz der Dodekaphonie weg. Es würde ja möglicherweise zu einer Gewichtung einzelner Töne gegenüber anderen führen. Und damit heimlich zu einer Art neuen Grundtonbildung. Da wollte die Dodekaphonie ja gerade weg von. Was bleibt ist das Motiv als widererkennbare Einheit. Aus dem Motiv alleine entsteht aber noch keine Großform. Was bleibt ist die manchmal poetische, manchmal nüchterne aber immer präzise und immer noch hörbare Arbeit mit dem Motiv. Und das ist, was hier in Boulez‘ Notations, seinen Notizen sehr schön nachvollziehbar ist. Motivische Arbeit auf den Punkt gebracht.

Die Aufnahme, die ich hier vorstellen will (hier bei Youtube) ist von David Fray, einem meiner Lieblingspianisten. Einem Spezialisten für eine Interpretation, die in Kommunikationsmodellen denkt und so auch hörbar ist. Insofern passt das als außermusikalische Haltung sehr gut zu den Gedanken über Impressionismus.


Annus musicae

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