Unsichtbares fotografieren

Unsichtbares fotografieren

Ein paar Fragestellungen sind schon so, dass ich immer wieder über sie stolpere. Sei es anlässlich eine Kommentars oder auch einer Fotografieaufgabe, wie hier in diesem Falle.

Zu diese Stolpersteinen gehört, dass die Fotografie eine feste Beziehung zur Welt hat. Alles, was da auf den Film oder den Sensor gebannt wird, hat seinen Ursprung in der Welt. Wir fotografieren eben mal keine -Ideen, Gedanken, auch keine Hirnströme, sondern das, was an physischen Dingen – abgebildet mittels Licht – den Weg durch die Optik nimmt.

Das führt sehr schnell dazu, dass – was auf unseren Bildern ist – oftmals auf eine allzu wörtliche Benennung der Dinge hinausläuft. Kuck mal was ich da gesehen habe. Ein Ding, eine Landschaft, eine Person, etc. Mir persönlich fehlt dabei oftmals aber etwas. Etwas Subtiles, etwas Feines, etwas, das sprachlich raffinierter ist und nicht nur auf ein plumpes Benennen hinausläuft. Okay, das ist in der Formulierung überzogen, weist aber auf den Punkt hin. 

In Terrain vague war das ein Element, das mir bis heute Schwierigkeiten bereitet. Die Arbeit hat einen stark dokumentarischen Charakter. Obgleich die Bilder selbst – oft auf eine subtile und daher schon auch schöne Art – über das rein dokumentarische rausgehen. Sie bilden Assoziationen, weisen auf anderes hin, sagen eben mehr als nur: schau mal da ein Reifen. Trotzdem bleibt da der dokumentarische Sprachstil die Basis.

Fotografien können trotzdem mehr. Und da fängt’s an interessanter zu werden: sie bilden Dinge ab, die aus dem Rahmen, dem Raum, der Zeit, dem Kontext rausgehen. Voraussetzung ist, dass die Betrachter ihren Teil der Interpretation dem Verständnis des Bildes zu spendieren bereit sind. Nicht der Autor hat die Deutungshoheit, die Bedeutung ergibt sich aus einer Kommunikation. Einem Miteinander, welches das Bild erst ermöglicht. So wird dann aus einem Bild eine ganze Vielzahl von möglichen Bedeutungen, je nach Betrachtungsweise eine andere, eine neue.

In diesem Sinne lässt sich auch Unsichtbares fotografieren. Etwas, das im Raum des Betrachtens, im Kopf dem Bild als Bedeutung hinzugefügt wird.

Diese kleine Serie ist anlässlich eines Versuchs entstanden, bei dem es darum ging unsichtbares zu fotografieren. Das Unsichtbare? Das was an möglichen Bedeutungen, an – was ist das? – wie kam das? – was soll das? etc… beim Betrachten ergänzt wird.

This Post Has 3 Comments

  1. Ein Loch lässt sich nur von seinem Rand her verstehen, grandios in Szene gesetzt.

    Erinnert mich an ein Gedicht von Ernst Jand (aus: selbstporträt des schachspielers als trinkende uhr, SL):

    vexierbild

    dieses gedicht ist ungedruckt
    wenn du es hier gedruckt nicht siehst
    und es als ungedrucktes liest

    1. Oh… das ist ja fein 🙂
      Guten Morgen, Richard!

      Eine Woche schau ich schon nach „Spuren“ und hab dann gestern früh diese Tasse beim Aufbrechen vom Frühstückstisch gefegt. Und wusste, das ist eine Spur. Ich bin noch nicht ganz zufrieden damit, aber visuell schonmal ganz nett.

      Jandl ist ein sehr schöne Ergänzung. Darüber freue ich mich.
      Konkrete Poesie passt irgendwie ganz gut zu „konkrete Fotografie“ (und doch keine dokumentarische)
      Vielleicht begründet das ein neues Genre (;-D). Nein, nein… nur ein Scherz.

      Hab‘ vielen Dank und viele Grüße nach Wien
      Jürgen

  2. Wenn ich deine Serie genauer ansehe, dann gibt es rechts oben die helle 3er-Serie. Die könnte für sich selbst stehen, als Triptychon. Eventuell müssten sie dann etwas anders arrangiert werden, der Henkel als weiteres Loch könnte eine Rolle spielen.

    Du hast Recht, damit kann man viel machen. Bin gespannt, was folgt.

    LG und schönes WE
    Richard

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