Zwischenstand

Zwischenstand

Was gibt’s Neues? Gibt’s was Neues? Gibt’s überhaupt was? Läuft das Landschaftsprojekt noch?

Doch, es gibt schon was. Schon recht viel. Sehr viel. Zwischen Borgsdorf und Marzahn hab ich mittlerweile den ganzen Stadtrand abgeklappert (auf der Karte nur grob skizziert). Zuviel, eigentlich. Wenn ich’s mir genau überlege. Ich kann ja mal was zeigen. Auch wenn es nicht tausende von landschaftlichen Impressionen sind. Vielleicht einfach mal nur ein paar Bilder von meinem letzten Walk. Die Gegend ist der Summter See im Mühlenbecker Land

 

 

Schön, oder?

 

Guter Versuch. Aber die Frage war ja nicht: was hast Du als letztes fotografiert. Die Frage war: wo stehst Du mit Deinem Projekt?

Okay: wie weit bin ich?

Das ist eine gute Frage. Ich denke ich habe das Thema des Projekts konzeptionell nun ganz gut abgesteckt. Es geht um Landschaft (ach… das ist ja mal ’ne Neuigkeit… 😉 ). Aber weniger darum, wie sie heute aussieht oder wie wir sie gestalten. Sondern eher, wie wir sie wahrnehmen. Was wir dabei erleben und empfinden. Wie wir zu Bedeutung oder gar Bewertung dessen kommen, was wir in unserer Außenwelt wahrnehmen. Auch, welche Qualitäten diese Bedeutung oder Bewertung für uns annimmt. Ob es sich um politische oder ökonomische Kategorien handelt, die wir in unserem Landschaftsverständnis heranziehen. Oder Projektionen von Heilsversprechen? Oder kindheitliche, eventuell identitätsstiftende Momente eine Rolle spielen. Hab‘ ich ja an anderer Stelle schon ausgeführt.

Und nun stehe ich aber an dem Punkt, an dem sich die Frage stellt, wie ich diesem komplexen Unterfangen denn überhaupt eine Bildsprache geben kann? Und damit kämpfe ich nun schon eine ganze Weile.

Die allermeisten meiner Bilder, – auch die hier gezeigten, – haben – trotz aller Subjektivität – einen stark dokumentarischen Charakter. Sie sind kaum bearbeitet, vielfach noch nicht einmal zugeschnitten. Die Wirkung dieser Bilder unterstreicht mein Vorhaben nicht, sondern lenkt die Betrachter auf ein vermeintlich dokumentarisches Thema ab: schaut her, so sieht unsere Landschaft aus.

Was aber gar nicht mein eigentliches Ansinnen ist. Die Bildwelt selbst soll dem Betrachtern einen Standpunkt ermöglichen, in den sie sich einbezogen fühlen können. Dass sie Teil der Szenerie sind. Idealerweise, dass diese Bilder nur dadurch etwas von Landschaft erzählen können, weil sie selbst, die Betrachter, überhaupt dabei sind zu betrachten. Wenn denn Landschaft ein Konstrukt unseres Geistes ist, dann kommt’s eben nur mit den Betrachter überhaupt zu einer Bedeutung. Jedenfalls, wenn ich mit meinem Mitteilungsbedürfnis den Anspruch habe, über meine autistischen Grenzen hinauszugehen. 

 

Wie kann eine mögliche Bildsprache dafür aussehen?

Vielleicht mal stichpunktartig aufgelistet:

  • Bilder aus einer Landschaft. Und nicht über sie. Das ist eine Frage des Aufnahmestandpunkts. Viele der Bilder – und das passiert heute schon so – sind so fotografiert, dass Fotograf und Betrachter in der Landschaft selbst drin sind. Das führt notwendigerweise zu Ausschnitten. Und über verschiedenartige Ausschnitte zu einem Gesamtbild einer Landschaft, so dass ein Betrachter aus vielen einzelnen Ausschnitten ein Landschaftsverständnis konstruieren kann. Er kann sich mit und in den Bildern umsehen.

    Zwar hab ich im aktuellen Kontext auch Panoramen erstellt, aber ich denke, sie gehören zu einer anderen Arbeit. Nicht hierzu. 
  • Andeutungen. Subtile Dissonanzen. Dinge, die nicht zum Repertoire klassischer Landschafts- / Naturfotografie gehören. Das ist schon alleine der obige Punkt: die klassische Landschafts-Fotografie ist eben dissoziiert. Entfernt. Ich stehe irgendwo (gar an einem vorbereiteten Panoramapunkt) und (kilometerweise) vor mir die Landschaft. Das entfernte, unerreichbare Wesen.Es geht aber über assoziierte vs. dissoziierte Standpunkte hinaus. Es sind vielleicht Kleinigkeiten. Weggeworfene Handschuhe, Bauschutt, eine vermeintliche Tischtennisplatte auf dem Friedhof am Stadtrand, Andeutungen über Auseinandersetzung mit der AfD mitten im Wald… Kleine Dinge, die nicht mehr und nicht weniger tun als zu fragen: gehört das für Dich, lieber Betrachter, zu Landschaft?

  • Unschärfe. Gehört vielleicht auch zu den Andeutungen. Bereiche des Bildes klar zeichnen, während andere nur verschwommen zu erkennen sind. Dabei gezielt die Unklarheiten so zu gestalten, dass sie tatsächlich zum Hinterfragen geeignet sind. 

In Teilen komme ich mittlerweile mit meiner Fotografie dem recht nahe. In anderen Teilen, insbesondere mit der gezielten Unschärfe, muss es noch präziser werden. Das Vokabular darf sich noch ein bisschen entwickeln. 

 

Und was kommt dann?

Nunja: Ziel ist ein Buch. Thema hab‘ ich klar, die Bildsprache wächst. Was nun als nächstes ansteht, ist ein Buchkonzept: Wie soll das Thema dann als Buch präsentiert werden? Soll’s eine Zusammenstellung von unterschiedlichen Bildern / Orten sein? Soll’s eher essayistischen oder gar narrativen Charakter annehmen? Oder eine Typologie?

Ich weiß es noch nicht. Meine Präferenz wäre tatsächlich etwas essayistisches. Aber ich habe noch keine Vorstellung über einen möglichen Bogen oder roten Faden.

 

Nicht schlecht. Dann geht’s ja doch voran. Wenn auch deutlich langsamer als in der Vergangenheit.

Tja, soweit der aktuelle Stand. Es wird nicht der letzte Zwischenstand sein. Ich genieße es sehr, wie sich diesmal der Weg ergibt. Nicht mehr gehetzt, nicht mehr übereilt. Die Fragen stellen sich. Die Unklarheiten machen sich alle bemerkbar. Aber ich spüre auch, wie sich die Antworten darauf auch entwickeln. Das Tempo passt sehr gut zur Entwicklung. Und umgekehrt.

 

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